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Was bedeutet Anarchie?

Im Grunde genommen bezeichnet der Begriff Anarchie das Fehlen einer Herrschaft. In den meisten Fällen kann der Begriff in der heutigen Zeit dafür verwendet werden, dass ein Modell des sozialen Zusammenlebens beschrieben wird.

Fehlverwendung des Begriffs

Anarchie bedeutet das Fehlen von Herrschaft. Dabei soll die soziale Komponente, aber nicht aus dem Blick verloren werden. Die eigentliche Anarchie besagt, dass alle Menschen gleichberechtigt miteinander leben. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen und können auf den Einzelnen angepasst werden, ohne dass es dadurch in der Gruppe Probleme gibt. Alle tragen diese Entscheidung mit.

Wichtig dabei ist, dass Entscheidungen direkt in der Gruppe getroffen werden und für alle bindend sind. Es muss für die Festlegung nicht erst ein herrschender Apparat zwischengeschalten werden, der das gesetzlich verankert. Es gibt lediglich Grundregeln, die das Zusammenleben bestimmen, aber niemand wird dabei in seiner Freiheit eingeschränkt.

Oftmals wird der Begriff Anarchie aber nicht richtig verwendet. Denn sobald Chaos entsteht und eine Gruppe sich gegen das Gesetz richtet, wird das als Anarchie beschrieben. Dies ist aber falsch. Anarchie setzt nicht auf eine Herrschaft durch Gewalt und befürwortet auch nicht die Nichteinhaltung von bestehenden Gesetzen, das wäre die Anomie. In den Medien wird der Begriff immer wieder falsch vermittelt, wodurch der Begriff des Anarchismus negativ belegt ist.

Wie ist der Begriff entstanden?

Bereits in der Antike wurde der Begriff der Anarchie verwendet. In diesem Zusammenhang entstand auch die Idee einer Utopie. Dabei stellte man sich das gemeinschaftliche Leben in einer Gruppe vor, die nicht durch eine höhere Ebene bestimmt wurde. Alle sollten die gleichen Voraussetzungen und Lebensgrundlagen haben. Die Entwicklung von Ideen und Regeln für die Gemeinschaft sollte von allen ausgehen und sich in diesem Zusammenhang nicht in einer einzelnen Entscheidung wiederspiegeln.

Es sollte aber auch Macht geben. Dabei ist die Macht aber nicht an den Willen der Gruppe gebunden, sondern an den Willen der Einzelnen. Mentoren und Trainer sind hierfür ein ausgewiesenes Beispiel. Sie übernehmen die Lehre der Neulinge, aber nur um ihnen die Grundlagen der Gesellschaft oder der Fähigkeit zu vermitteln. Lediglich die zentrale Gewalt wird ausgeschlossen.

Grundlegend ist es notwendig, dass in der Anarchie die Ausbildung einer Herrschaft und eines gelenkten Staates vermieden wird.

Wie wird der Begriff angesehen?

Schon in der Geschichte ist es immer wieder passiert, dass Anarchie von einer Mehrheit des Volkes als negativ angesehen wurde. Ein Beispiel dafür ist die Französische Revolution. Die Kämpfer der Revolution wurden als Anarchisten angesehen. Durch den Umsturz der Zeiten sollte es dem Volk gelingen, mehr Unabhängigkeit und weniger Kontrolle durch die höheren Stände zu erfahren. Sie wollten mehr für die Gruppe erreichen, wurden aber als negativ publiziert.

Auch das alte Rom war von der Idee der Anarchie nicht überzeugt. Die Senatoren hatten verstanden, dass es für sie bedeutet hätte, dass es keinen Senat mehr geben sollte. Das hätte in ihren Augen eine klare Abwertung der höheren Stände und vor allem eine vermeintliche Narrenfreiheit für das Volk bedeutet. Niemand sah dabei, dass vor allem die Gleichberechtigung zum Tragen hätte kommen können. In diesen Zusammenhängen ist es noch heute noch so, dass die Angst des Verlustes der Macht und der Kontrolle den Begriff immer wieder in ein schlechtes Licht stellt.

Nach der westlichen neokolonialen Theorie wird die Anarchie als positiv beschrieben. Es sei leicht sich in dieser Gesellschaft zu Recht zu finden, weil alle dieselben Grundlagen haben und der Kampf nach Macht nicht nötig ist. Alle hätten einen Teil der Macht und könnten an der gemeinsamen Entscheidung teilhaben. Somit würden für alle gleiche Befähigungen gelten.